Soziale Berufe
Medikamente in der Kinder- und Jugendhilfe

Deine Rechte – Medikamente in der Kinder- und Jugendhilfe

Das Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft e.V. und die Universität Hildesheim haben gemeinsam die Broschüre „Medikamente – Deine Rechte“ herausgegeben. Diese erklärt verständlich, was junge Menschen über medikamentöse Behandlungen wissen sollten: welche Arten von Medikamenten es gibt, wer an Entscheidungen beteiligt ist, wie ärztliche Behandlungen ablaufen und worauf es bei der Einnahme ankommt. Die Broschüre ist online abrufbar.

Die Medikation von jungen Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe wird gegenwärtig systematisch sowohl historisch aufgearbeitet als auch angesichts umstrittener aktueller Praktiken – so z.B. die Medikation von jungen Menschen durch den Kinder- und Jugendpsychiater Winterhoff – in Bezug auf Verfahren in der Gegenwart problematisiert. Das Kinderrecht auf bestmögliche Gesundheitsversorgung scheint im multiprofessionellen Zusammenspiel von besonderer Herausforderung zu sein. So sind die Perspektiven von Sorgeberechtigten, Erziehungsberechtigten, Ärzt:innen sowie jungen Menschen selbst im Hinblick auf deren Wohl zusammenzuführen.

Was sind die Fragen, mit denen sich das Projekt beschäftigt?

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie medikamentöse Behandlungen junger Menschen in Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe und Pflegefamilien praktiziert werden, welche Erfahrungen junge Menschen damit machen und wie transparente Verfahren etabliert werden können, die für die jungen Menschen nachvollziehbar sind und ihre Rechte verwirklichen. Diese Aufgabe stellt sich im Alltag der stationären Kinder- und Jugendhilfe mit ihren unterschiedlichen Akteur:innen in den jeweiligen Verantwortungsbereichen als besondere Herausforderung dar.

Welche Erfahrungen machen junge Menschen, Sorgeberechtigte (Eltern und Vormund:innen), Erziehungsberechtigte (Betreuer:innen und Pflegeeltern) und Ärzt:innen mit Medikamenten in der Kinder- und Jugendhilfe (Wohngruppen, Pflegefamilien, …)?

Wie wird in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und in Pflegefamilien mit Medikamenten umgegangen? Wie können transparente Verfahren etabliert werden, die die Rechte der jungen Menschen verwirklichen?

Die Adressaten im Projekt

Im Mittelpunkt des Projektes stehen Akteur:innen, die am Verfahren und den Entscheidungen der Medikamentengabe bei Kindern und Jugendlichen, die in einer Wohngruppe oder Pflegefamilie (stationären Hilfe) leben, beteiligt sind. Somit adressieren wir die jungen Menschen mit ihren jeweiligen Sorgeberechtigten, Erziehungsberechtigten und Ärzt:innen, die in die Prozesse der Medikamentenvergabe involviert sind.

Im Zentrum stehen junge Menschen, die in einer Wohngruppe oder Pflegefamilie leben und Medikamente jeglicher Art nehmen/genommen haben (oder sich auch bewusst dagegen entschieden haben). Beispielsweise ist aus der Forschung bekannt, dass junge Menschen in stationärer Hilfe stärker psychisch belastet sind als Gleichaltrige. Dementsprechend sind Fragen von Psychopharmaka häufig relevant, wir möchten aber bewusst auch andere Medikamente und damit verbundene Fragestellungen in den Blick nehmen. Chronisch kranke Kinder und Jugendliche im Sinne von Einrichtungen und Pflegefamilien für sonderpädagogischen Pflegebedarf finden im Rahmen des Projekts keine Berücksichtigung.

Die zentralen Ergebnisse

Zunächst kann und muss festgehalten werden, dass Medikamente in der Kinder- und Jugendhilfe allgegenwärtig sind. Auch wenn das Projekt qualitativ ausgerichtet war und keine Aussage mit quantitativen Anspruch ermöglicht, so wird doch deutlich, dass Medikamente auf vielfältige Art und Weise in den Alltag der Kinder- und Jugendhilfe integriert sind. Eine Aufmerksamkeit dafür wurde uns vielfach als dringend notwendig zurückgemeldet. Auch und insbesondere die jungen Menschen sind mit Medikamenten beschäftigt und die in der Kinder- und Jugendhilfe gemachten Erfahrungen wirken auch über die dortige Zeit hinaus.

Die Ergebnisse aus dem Projekt legen nahe, dass die Auseinandersetzung aus einer pädagogischen Perspektive bislang vor allem aufgrund einer Delegation von Verantwortung an Medizin und Recht beschränkt war. Medikamente werden als ein von der Medizin eindeutig und wenig verhandelbares Mittel zur Wiederherstellung von Gesundheit wahrgenommen. Zugleich ist der Umgang mit Medikamenten rechtlich stark normiert (z.B. Aufbewahrungs- und Dokumentationspflichten). In der Folge konnte bislang kaum eine pädagogische Handlungsdimension wahrgenommen werden. Gleichwohl erweist sich die Verantwortungsdelegation in der Praxis immer wieder als begrenzt, weshalb ein zentrales Ergebnis des Projekts darin besteht, auf die Verantwortungsgemeinschaft hinzuweisen. Nur durch ein gemeinsames Hinschauen kann es gelingen, die Rechte der jungen Menschen einzulösen.

Und schließlich lässt sich herausarbeiten, dass diese Verantwortungsgemeinschaft nicht nur disziplinübergreifend und intersektoral bedeutsam ist, sondern erst dadurch ein gemeinsamer Fokus entstehen kann, wenn die jungen Menschen mit ihren Perspektiven im Zentrum stehen. Ein kinderrechtsbasierter Umgang mit Medikamenten in der Kinder- und Jugendhilfe kann nur gelingen, wenn die jungen Menschen daran beteiligt sind. Gleichwohl zeigt das Projekt deutlich, dass die jungen Menschen insbesondere als passiv im Prozess der Medikation konstruiert werden. Hier ist von einer Objektivierung der Adressatinnen zu sprechen – z.B. ein Behälter, in welchen das Medikament hineinmuss. Aber auch im Konzept Verhandlung und dem darin existenten Sprechen mit, werden Adressatinnen zwar zu Gegenüber, mit denen gesprochen wird, aber ein tatsächliches Zuhören scheint wenig existent.

Die Kinder- und Jugendhilfe ist also dazu aufgefordert, sich eigenständig fachlich mit Medikamenten auseinanderzusetzen. In den Blick genommen werden sollte z.B., wie Diagnosen und Medikamente an junge Menschen vermittelt und wie die Entwicklung eines selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Gesundheitsbewusstseins gefördert werden kann. Neben den disziplinären Auseinandersetzungen und einer intersektoralen Zusammenarbeit braucht es aber als Grundlage eine vertiefte Kenntnis des Erlebens junger Menschen, um ihre Rechte zukünftig noch besser einlösen zu können.

Hier gibt es die Broschüre zum Download: Bitte hier klicken

Printexemplare können gegen Übernahme der Versandkosten beim Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft e.V. bestellt werden: info@vormundschaft.net.

 

Das Internetstellenportal www.sozialeberufe.de ist in erster Linie eine Jobbörse, d.h. ein Marktplatz, auf dem Arbeitgeber kostengünstig Stellenangebote veröffentlichen und Stellensuchende - Fachkräfte, Hochschulabsolventen, Berufseinsteiger, Wiedereinsteiger - ihren passenden Traumjob finden können.

Auf unserer Jobbörse (https://stellenmarkt.sozialeberufe.de) erscheinen täglich zirka 2.500 Stellenausschreibungen aus der gesamten Sozialwirtschaft und dem Gesundheitswesen. Anzeigenschaltungen können schnell und unkompliziert beauftragt werden.

Die Stellenangebote richten sich an Pädagogische Fachkräfte, an Erzieher, Sozialpädagogen, Psychologen, Heilpädagogen, an Pflegekräfte und Pflegehelfer in der Altenhilfe und Krankenpflege oder an Klinikärzte bzw. Fachärzte. Hinzukommen Stellenausschreibungen für Leitungs- und Führungskräfte, für Verwaltungskräfte, für medizinische Berufe, hauswirtschaftliche Berufe, technische Berufe oder auch EDV-Stellen für Systemadministratoren bzw. IT-Fachleute und weitere Berufsgruppen.

Informationen für Arbeitgeber und Bewerber, zu Crossmedia oder Mobile Recruiting, Angebote für Aus- und Weiterbildung, social News und Informationen zum Bundesfreiwilligendienst bzw. Freiwilligen Sozialen Jahr runden das Internetportals www.sozialeberufe.de ab.